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Wor­um geht es in die­sem Blog­bei­trag?

Im Jah­re 2018 zähl­te die ge­setz­li­che Un­fall­ver­si­che­rung 876.952 mel­de­pflich­ti­ge Ar­beits­un­fäl­le. Das sind mehr Ver­letz­te als Frank­furt am Main Ein­woh­ner hat430 en­de­ten da­von töd­lich (alle An­ga­ben ohne We­ge­un­fäl­le). Das ent­spricht der An­zahl an Fahr­gäs­ten in 6 voll­be­setz­ten Dop­pel­de­cker­bus­sen.

Wer schon mal mit in die Un­ter­su­chung ei­nes töd­li­chen Un­falls in­vol­viert war, weiß wie äu­ßerst un­an­ge­nehm so eine Sa­che sein kann.

Ich gehe des­halb da­von aus, dass je­des Un­ter­neh­men in Sa­chen Ar­beits­un­fäl­le eine Null-Feh­ler-Stra­te­gie ver­folgt.

War­um pas­sie­ren aber trotz­dem im­mer wie­der Ka­ta­stro­phen, bei de­nen Mit­ar­bei­ter zu Tode kom­men?

Aus mei­ner Er­fah­rung schei­tern vie­le In­itia­ti­ven zur Ver­bes­se­rung der Ar­beits­si­cher­heit dar­an, dass die Zu­sam­men­hän­ge zwi­schen zwei Be­griff­lich­kei­ten nicht aus­rei­chend be­ach­tet wer­den:

Es geht um die Feh­ler­kul­tur ei­ner­seits und das Feh­ler­ma­nage­ment an­de­rer­seits.

Als Feh­ler­kul­tur be­zeich­ne ich im­mer die Rah­men­be­din­gun­gen in der Or­ga­ni­sa­ti­on, um über­haupt of­fen mit Feh­lern um­ge­hen zu kön­nen.

Beim Feh­ler­ma­nage­ment geht es um die Me­tho­den, Rou­ti­nen und Tech­ni­ken, wie Feh­ler­ur­sa­chen ana­ly­siert und Ver­bes­se­rungs­maß­nah­men ein­ge­führt wer­den, da­mit be­stimm­te Feh­ler erst gar nicht pas­sie­ren und die Feh­ler­ra­te ins­ge­samt re­du­ziert wer­den kann.

Das eine ist vom an­de­ren je­doch nicht zu tren­nen.Null-Fehler-Strategie

Die Me­tho­den Feh­ler­ma­nage­ments ent­fal­ten nur dann ihre Wir­kung, wenn auch die Soft Facts im Um­gang mit Feh­lern be­ach­tet wer­den. Um­ge­kehrt gilt das glei­che: eine kon­struk­ti­ve Feh­ler­kul­tur ist zum Schei­tern ver­ur­teilt, wenn die Me­tho­den, Rou­ti­nen und Tech­ni­ken des Feh­ler­ma­nage­ments nicht be­herrscht wer­den.

In die­sem Blog­bei­trag geht es heu­te um die Soft Facts als Grund­la­ge für ein er­folg­rei­ches Feh­ler­ma­nage­ment.

Ziel: Null Ar­beits­un­fäl­le und mi­ni­ma­le Feh­ler­kos­ten

10 Tipps für eine er­folg­rei­che Null-Feh­ler-Stra­te­gie

  1. Den­ke im­mer dar­an, dass in Dei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­reich Men­schen tä­tig sind, de­nen Feh­ler pas­sie­ren kön­nen. Be­geg­ne ih­nen des­halb bei ei­nem Feh­ler mit Re­spekt und auf Au­gen­hö­he. Näm­lich so, wie Du bei ei­nem ei­ge­nen Feh­ler von Dei­nem Chef be­han­delt wer­den willst.
  2. Sor­ge in Dei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on, Ab­tei­lung und Dei­nem Team für ein Kli­ma des Ver­trau­ens und des Re­spekts im Um­gang mit Feh­lern, da­mit aus Angst vor Re­pres­sa­li­en kei­ne Feh­ler ver­tuscht wer­den (müs­sen).
  3. Die ers­te Fra­ge nach ei­nem Vor­fall soll­te nicht sein „Wer war das?“, son­dern „Was ist, wie, wo, war­um?“ pas­siert. Be­den­ke, dass die meis­ten Ur­sa­chen bei Mit­ar­bei­ter­feh­lern im Sys­tem bzw. den vor­ge­la­ger­ten Pro­zes­sen zu fin­den sind. Z.B. durch man­geln­de Kom­mu­ni­ka­ti­on im Team oder mit dem Vor­ge­setz­ten, ei­ner un­ge­eig­ne­ten Ar­beits­platz­aus­stat­tung, Feh­lern von an­de­ren Mit­ar­bei­tern, un­ge­eig­ne­ten Ar­beits­an­wei­sun­gen, Pro­ble­men mit dem Roh­ma­te­ri­al, usw..
  4. Be­auf­tra­ge mit der Un­ter­su­chung von Vor­fäl­len we­gen mensch­li­chen Feh­lern nur Mit­ar­bei­ter, die sich ne­ben den klas­si­schen Pro­blem­lö­sungs­me­tho­den auch mit dem The­ma „Fak­tor Mensch“ aus­ken­nen. Oder noch bes­ser: ma­che es selbst.
  5. De­fi­nie­re für alle Pro­zess­be­tei­lig­ten un­miss­ver­ständ­lich, was ein Feh­ler ist – und was nicht. Nichts ist in ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on an­stren­gen­der als die Aus­ein­an­der­set­zung zwei­er Mit­ar­bei­ter oder Be­rei­che, die un­ter­schied­li­cher Auf­fas­sung dar­über sind, ob es sich bei ei­nem Sach­ver­halt um ei­nen Feh­ler han­delt oder nicht.
  6. Be­vor Du Dei­ne Füh­rungs­kräf­te und Mit­ar­bei­ter in neu­en Funk­tio­nen sich selbst über­lässt, stel­le si­cher, dass sie ih­ren Auf­ga­ben ohne frem­de Hil­fe ge­wach­sen sind.
  7. Lege für alle wie­der­keh­ren­den Pro­zes­se Stan­dards fest, die von den Füh­rungs­kräf­ten und Mit­ar­bei­tern als sinn­voll an­ge­se­hen und ein­ge­hal­ten wer­den (kön­nen). Struk­tu­rie­re und be­schrei­be die­se Stan­dards in ei­ner Art und Wei­se, die es Füh­rungs­kräf­ten und Mit­ar­bei­tern leicht ma­chen, bei Fra­gen dar­auf zu­rück­zu­grei­fen und nach­zu­le­sen. Ohne an­de­re um Hil­fe bit­ten zu müs­sen.
  8. Sei dar­auf vor­be­rei­tet, dass nicht be­ein­fluss­ba­re Ein­wir­kun­gen von au­ßen, z.B. Ma­te­ri­al­man­gel, Ma­schi­nen­aus­fall, kurz­fris­ti­ger Aus­fall von Per­so­nal usw. die Stan­dard­pro­zes­se stö­ren und die An­fäl­lig­keit für Feh­ler er­hö­hen kön­nen. Sor­ge da­für, dass alle wis­sen, wie sie sich im Fal­le ei­ner sol­chen Stö­rung des Be­triebs­ab­laufs ver­hal­ten sol­len.
  9. Wenn Pro­zes­se nicht das ge­wünsch­te Er­geb­nis brin­gen (kön­nen), lege ge­eig­ne­te Kon­troll­maß­nah­men nach ein­zel­nen Tä­tig­kei­ten oder am Ende der Pro­zess­ket­te fest, da­mit Feh­ler früh­zei­tig ent­deckt wer­den kön­nen. Sind ir­gend­wann die (Teil-) Pro­zes­se sta­bil, kön­nen die Kon­troll­maß­nah­men wie­der zu­rück­ge­fah­ren wer­den. Wen­de bei der Aus­füh­rung von (si­cher­heits-) kri­ti­schen Pro­zes­sen, Kon­trol­len, Prü­fun­gen usw. mög­lichst das Vier-Au­gen-Prin­zip an.
  10. Stel­le durch ei­nen stan­dar­di­sier­ten Es­ka­la­ti­ons­pro­zess si­cher, dass bei Kon­flik­ten nie­mand auf der Stre­cke bleibt. Ra­che oder in­ne­re Kün­di­gung sind kein gu­ter Nähr­bo­den für ein Null-Feh­ler-Ma­nage­ment.

So ge­lingt auch Ih­nen ein Null-Feh­ler-Stra­te­gie

Zu­sam­men­fas­sung

Nur wenn der zwi­schen­mensch­li­che Um­gang mit Feh­lern ge­währ­leis­tet ist, kann der sach­li­che Um­gang mit Feh­lern im Rah­men des Feh­ler­ma­nage­ments funk­tio­nie­ren. Schaf­fen Sie des­halb zu­erst den ent­spre­chen­den Rah­men und die not­wen­di­ge men­ta­le Ein­stel­lung zum of­fe­nen Um­gang mit Feh­lern.

Erst da­nach macht es Sinn, sich mit den pas­sen­den Me­tho­den, Rou­ti­nen und Tech­ni­ken mit den Ur­sa­chen zu be­schäf­ti­gen und aus den Feh­lern zu ler­nen.

Und dann sind Sie schon sehr nahe am Ziel, das Sie mit ei­ner Null-Feh­ler-Stra­te­gie an­stre­ben.

Und wenn Sie noch mehr über das The­ma wis­sen wol­len: hier ist ein in­ter­es­san­ter Ar­ti­kel über das The­ma Feh­ler­kul­tur und Feh­ler­ma­nage­ment.